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Bernhard Fritz und Wolfgang Roblek vor weiblichem Torso
Bernhard Fritz und Wolfgang Roblek vor weiblichem Torso. Foto: Ivo Vögel

Eingebettet in die Landschaft, zwischen der Pinselburg, die einst der Maler Alfons Luger bewohnte sowie des Wohnhauses des einstigen Bregenzerwälder Architekten Alfons Fritz, können Passanten Plastiken, Skulpturen und Installationen bewundern, um aufstrebenden und etablierten Kunstschaffenden die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. In ständigem Wechsel werden so verschiedenste Künstler:innen ihre Werke präsentieren. Die Galerie Fritz fungiert hierbei lediglich als Ausstellungsplattform, der Verkauf und vor allem der Gewinn der beworbenen Skulptur und anderen Werke bleibt in der Hand der Ausstellenden. Im Interview wollten wir von Benedikt Fritz mehr über die Galerie in Dornbirn erfahren.

Benedikt Fritz
Benedikt Fritz. Foto: Franziska Kaufmann

Kannst du uns mehr über die Entstehungsgeschichte der Galerie Fritz erzählen und wie die Idee dazu entstanden ist?
Bei der Idee für die Galerie Fritz haben sich mein Vater, Bernhard Fritz, und ich mitunter von „ein m2 Kunst“ in Hohenems inspirieren lassen. Sie arbeiteten bereits mit einigen Künstler:innen aus Vorarlberg zusammen. So ist auch mein Vater auf diese Initiative aufmerksam geworden und stellte in Folge dessen auch selbst dort aus. Wirklich beeindruckend war, dass man als Ausstellende:r in Zuge dessen in sämtlichen Gazetten Vorarlbergs vorgestellt wird. Die sozialen Medien wurden zu diesem Zeitpunkt allerdings noch kaum genutzt, da wollten wir ansetzen.

Die Galerie Fritz befindet sich gegenüber der Pinselburg und in der Nähe des Wohnhauses des Architekten Alfons Fritz. Wie kam es dazu, dass du dich für diesen Standort entschieden hast?
Ich bin im Haus gegenüber der Pinselburg aufgewachsen, und da der schmale Weg, der diese beiden Häuser trennt, eine sehr beliebte Spazierroute ist, dachten wir, dass die Galerie Fritz so relativ viele Leute kontinuierlich erreichen könnte.

Gernot Riedmann vor seiner Tänzerin
Gernot Riedmann vor seiner Tänzerin. Foto: Ivo Vögel

Was hat dich dazu motiviert, die Galerie Fritz zu eröffnen?
Umso mehr wir uns mit dem jetzigen Konzept beschäftigten, umso klarer ist uns geworden, was für eine umfangreiche und vor allem facettenreiche Kunstszene Vorarlberg hat. Natürlich gibt es ein paar große Namen, aber was sich rundherum abspielt und vor allem, wie aufregend es ist, bleibt all jenen, die sich nicht aktiv damit befassen, meist verschlossen. Unser Wunsch war und ist es, mit der Galerie Fritz den Zugang zur Szene zu öffnen und eventuelle Berührungsängste durch die ungezwungene Atmosphäre unserer Ausstellungen zu nehmen.

Ein interessantes Detail ist die Betonung eines Quadratmeters für die Ausstellungen. Kannst du mir mehr über das Konzept erzählen?
Wir sind davon ausgegangen, dass diese Restriktion jedes Mal zu neuen Herangehensweisen führt. Im Gegensatz zu einer klassischen Galerie, in der man mehrere Exponate zeigen kann, müssen sich Künstler:innen der Galerie Fritz initial schon mal für ein einzelnes Werk entscheiden. Das sollte zudem wetterfest sein und ihren Charakter präsentieren, ohne dabei Einbußen in Stil und Bildsprache zu haben. Natürlich ist uns bewusst, dass man nicht das gesamte Werk eines Menschen in einer Skulptur subsumieren kann. Deswegen kombinieren wir diese dreimonatige Ausstellung auch mit einer Social-Media Kampagne, im Zuge derer die Künstler:innen uns Foto- und Textmaterial zur Verfügung stellen und damit ihre eigene Werkschau kuratieren können. Zum Glück konnten wir im Laufe unseres Bestehens auch den Fotografen Ivo Vögel dazugewinnen, der uns immer Bildmaterial der aktuell ausgestellten Skulpturen zur Verfügung stellt. Ivo arbeitet nämlich selbst auch an einem Projekt „KünstlerPortraits“. Hierfür besucht er Vorarlberger Künstler:innen in ihren Ateliers, führt Gespräche mit ihnen und fotografiert sie. Sich das anzuschauen kann ich nur wärmstens empfehlen!

Bernhard Fritz, Marco Spitzar und Roland Adlassnig
v.l.n.r.: Marco Spitzar, Roland Adlassnig, Bernhard Fritz. Foto: Ivo Vögel

Welche Rolle spielt die geografische Lage der Galerie im Dornbirn/Oberdorf in Bezug auf die Interaktion mit der lokalen Gemeinschaft und darüber hinaus?
Es handelt sich um eine äußerst beliebte Route für Spaziergänge, weshalb ein ständig wechselndes und vielfältiges Publikum regelmäßig an der Galerie Fritz vorbeikommt. Mittlerweile haben die Leute auch bemerkt, dass hier ständig etwas Neues passiert, dass es einen kontinuierlichen Wechsel gibt. Dadurch bleiben immer mehr stehen und betrachten jedes Mal die aktuelle Skulptur. Einige kommen sogar speziell deswegen vorbei!

Welche Künstler:innen stellst du momentan aus?
Derzeit stellt Evelyne Fricker, eine Dornbirner Textilkünstlerin, eine knallrosa Yeta Figur (also der weibliche Yeti) bei uns aus, was speziell für Passanten ein richtiger Hingucker ist. Angefangen haben wir vor zwei Jahren mit Richard Blaas, einem Stahlkünstler, der primär skulptural arbeitet und vor allem mit seiner technischen Perfektion begeistert. Gefolgt von Andrea Maria Bauer, die schaurig schöne Kunstwerke in Schwarz und Grau schafft, die, in Kombination mit ihren Gedichten, wahrlich eine Wucht sind. Im Anschluss durften wir Gernot Riedmann präsentieren, einem Vorarlberger Original. Spezialisiert hat er sich speziell auf imposante, holzgeschnitzte Ahnenfiguren, die er mit über 80 Jahren immer noch mit der Motorsäge herausschlägt, wie er das formulieren würde. Danach stellten wir Günther Blenke aus, dem Gründer von „ein M2 Kunst“, der selbst mit Stahl arbeitet und seine Inspiration viel aus der Mythologie schöpft. Auch Benny Gleeson, ein Universalkünstler, der ursprünglich als Musiker arbeitete und mitterweile als Essayist und Aktionskünstler die Vorarlberger Kunstszene ein ums andere Mal zum Denken anregt. Mit Wolfgang Roblek fanden wir einen Künstler, der sich ganz dem nackten Körper verschrieben hat und sich in seiner Laufbahn von Ölmalerei zum Paintbrush bis hin zur Bildhauerei in Marmor ausprobiert hat. Kürzlich haben wir Marco Spitzar ausgestellt, der ausschließlich mit Klebstoff arbeitet und in seinen Werken die Grenzen dieses Materials auslotet und neu definiert. Zuletzt hatten wir die Ehre, Ewald Hotz vorzustellen, einen Keramikkünstler, dessen filigrane und detailverliebte Skulpturen sowohl schockierend als auch zum Innehalten anregend sind.

Bernhard Fritz und Evelyne Fricker hinter Yeta
Bernhard Fritz und Evelyne Fricker hinter Yeta. Foto: Ivo Vögel

Wie triffst du die Auswahl der Werke. Welche Überlegungen fließen dabei in deine Entscheidungen ein?
Wir möchten den Künstler:innen dabei immer freie Hand lassen. Natürlich geben wir Empfehlungen ab, schauen, was gut miteinander harmoniert und wie man es am besten beschreiben kann, um deren Schaffen auch tatsächlich gerecht zu werden. Letzten Endes bleibt die Entscheidung aber ganz bei Ihnen und wir posten, was uns zur Verfügung gestellt wird.

Wie würdest du die Kunst und Kulturszene in Vorarlberg beschreiben? Es tut sich ja so einiges dort.
Wir glauben, dass große Kunst überall entstehen kann, und genauso verstehen wir auch die Szene in Vorarlberg. Eindeutig beschreiben lässt es sich allerdings kaum. Es gibt so viele Initiativen und so viele Facetten, dass es wohl am einfachsten wäre, sich das Ganze einmal aus erster Hand anzuschauen. Wie du selbst siehst, geschieht momentan besonders viel, und es ist wirklich aufregend, all das miterleben zu können. Solange wir nur einen kleinen Beitrag dazu leisten können, das Geschehen noch sichtbarer zu machen, haben wir unser Ziel erreicht.

Bernhard Fritz und Ewald Hotz vor Zephyr
Ewald Hotz und Bernhard Fritz vor Zephyr. Foto: Ivo Vögel

Was schätzt du an Dornbirn oder Vorarlberg?
Ich selbst wohne schon seit über 7 Jahren in Wien und übernehme den digitalen Teil der Galerie Fritz, während mein Vater vor Ort alles organisiert. Obwohl ich Wien wirklich nicht missen möchte, schätze ich an Vorarlberg die Mentalität und die Atmosphäre, die mich jedes Mal ein wenig Abstand vom Beruf und dem Alltag gewinnen lässt.

Da ich oft in Wien in der Tonstube (leider nicht mehr geöffnet) war, kenne ich natürlich auch die Brauerei Egg. Welchen Bezug hast du dazu?
Da war ich selber auch sehr oft! Im Zuge der Arbeit und der Retrospektive über meinen Urgroßvater, den Architekten Alfons Fritz, hat sich herausgestellt, dass er damals Bierdeckel für die Brauerei Egg entworfen hat. Die sind dann aber verschwunden, bis man einen bei der Renovierung einer Wäldergaststube wiederentdeckt hat. Diese wurden dann nachgedruckt und im Shop des Werkraums Bregenzerwald, während der Ausstellung über sein Lebenswerk, verkauft. Da war natürlich klar, wen wir als Kooperationspartner für unsere Finissagen, die immer am Ende der Ausstellungsperiode stattfinden, fragen. Zum Glück hat Lukas Dorner unsere Vision gleich unterstützt und direkt zugesagt.

Benny Gleeson hinter TEchnophilie
Benny Gleeson hinter Technophilie. Foto: Ivo Vögel

Welche Ausstellungen sind für 2024 geplant, und gibt es neben der Galerie noch weitere Projekte, an denen du arbeitest?
Momentan sind wir eigentlich schon bis Mitte 2025 ausgebucht. Als nächstes kommt Franz Faller, ein Holzkünstler, gefolgt von Patrick Roth, der mit Glas arbeitet. Dann im September dürfen wir Anna Amanda Steurer, die ihre Umwelt verwebt und damit die der Szenerie innewohnende Magie zum Vorschein bringt, willkommen heißen, und etwas später abermals eine Textilkünstlerin, der begnadeten Bianca Lugmayr. Ganz frisch ist auch noch Felix Riedmann dazugekommen, der unter seinem Alter Ego Vallah23 tragbare Kunstwerke anfertigt, die nicht mit einer klassischen Uhr verwechselt werden dürfen. Neben der Galerie arbeiten wir gerade noch an einer Erweiterung unseres Angebots.

Adresse und Kontakt:
Galerie Fritz
Kellenbühel 5, 6850 Dornbirn
www.galeriefritz.at