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Die Keramiken von Witalij Frese

Witalij Frese hat im Sommer 2019 seinen Meisterschüler an der Universität der Künste Berlin abgeschlossen. Er war in einer Fachklasse für Malerei und setzt seinen Schwerpunkt immer mehr in Richtung Keramik. Thematisch befasst er sich mit Körpern. Dabei stellt er keine Individuen dar, sondern nur Hüllen oder Masken.

Diese werden zueinander in Beziehung gestellt. Es ist aber auch eine Suche nach einer Beziehung zur Außenwelt. Immer wieder auftauchende Themen sind die Konstruktion von Geschlecht, Körper und Sexualität, Intimität und Anonymität, Tradition und Gegenwart, Stolz und Scham.

Die Wiederbelebung der Vergangenheit und die Tradition der Kunstgeschichte finden immer wieder Bedeutung in meiner Arbeit.

Wie entfaltest du deine Kreativität?
Ich rede mir immer ein: „Im Tun kommt die Idee“ – so fange ich einfach an, entweder mit einem Stift in der Hand oder mit einem Klumpen Ton, und vertraue darauf, dass etwas entsteht. Manchmal klappt das sogar. Ich schaue mir auch viel an, besuche Museen und Galerien, recherchiere online oder verbringe viel Zeit in der Kunstbibliothek, wo ich 3 Jahre als studentische Hilfskraft gearbeitet habe. Die Wiederbelebung der Vergangenheit und die Tradition der Kunstgeschichte finden immer wieder Bedeutung in meiner Arbeit. Ich versuche die Atmosphären in einen neuen, zeitgenössischen Kontext zu übertragen, sodass Irritationen und Harmonie sich spielerisch miteinander verbinden.

Beeinflusst deine Umgebung dein Stil?
Meine Umgebung beeinflusst auf jeden Fall mich selbst: Sei es der Ort, in dem ich momentan lebe – Berlin, eine reizvolle Stadt, in der einem alles möglich erscheint; eine aktuelle Ausstellung, in der ich gerade war; meine Professoren, die mich in meinem Tun bestärkt haben; eine Reise, die mir zu neuen Sichtweisen verholfen hat oder auch ein Besuch meiner Verwandtschaft in Russland, wo ich mit ganz anderen Themen konfrontiert werde. Meine Ausgangspunkte für die künstlerische Arbeit sind also persönliche und biografische Themen, die aber auch mit Fiktion erweitert werden. Ich nenne es „konstruierte Erinnerungen und (potentielle) Erfahrungen“. Und was dann dabei rauskommt, mein Stil, das ist einfach Ergebnis von dem allem Beschriebenen.

Was fasziniert dich an dem Arbeiten mit Keramik?
Die Arbeit mit Ton verbindet uns mit allen vier Elementen: Ton besteht aus Erde und Wasser, trocknet an der Luft und wird anschließend gebrannt. Es braucht Geduld beim Aufbau und der Trocknung. Das beruhigt. Dann überrascht es, wenn es fertig gebrannt aus dem Ofen kommt. Keramiken und darunter besonders Gefäße, sind traditionelle Bildträger, so wie die Leinwand. Ich komme aus der Malerei und Zeichnung und habe erst spät im Studium Keramik für mich entdeckt. Es gibt mir die Möglichkeit meine Zeichnungen in den Raum zu bringen und von allen Seiten sichtbar zu machen. Außerdem ist eines meiner Themen der Körper. Gefäße als Hohlformen, erinnern mich daran: Hülle, Maske und Haut, als Grenze zwischen dem Inneren und Äußeren. Und es gibt viele verschiedene Entstehungsmythen des Menschen. Ein Mythos ist, dass der Mensch aus Lehm/Ton geformt und ihm dann Leben eingehaucht wurde. So ist meine Beschäftigung mit Ton auch eine Auseinandersetzung mit Körper, was sich mitunter durch Auswüchse von Körperteilen aus den Gefäßen zeigt. Außerdem interessiert mich auch das Verhältnis von Design und Kunst. Wann fängt Kunst an und wann hört Design auf?

Wo kann man deine Arbeiten kaufen?
Am besten bei mir im Atelier in Berlin.

interview witalij frese

Hast du Ziele und Vorsätze für dieses Jahr?
Eigentlich geht es mir ganz gut und ich bin bislang zufrieden, so wie es läuft. Deshalb habe ich mir keine besonderen Ziele oder Vorsätze gesetzt. Ich möchte einfach dranbleiben, neugierig sein, konzentriert sein und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ein langfristiges Ziel bzw. mein Traum ist es irgendwann einen Projektraum zu haben, mit Atelier (und eigenem Brennofen) – ein Raum für Ausstellungen, Begegnung, Austausch, Workshops, … mal schauen, manchmal werden Träume wahr, oder?

Witalij Frese