Graz Musik
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Der Musiker SALÒ. Sein Plan A.

Der Grazer Musiker SALÒ bezeichnet seine Musik selbst als „dreckige Ode an das Fleisch, den Trieb und den Herzschmerz per se.“ Wir haben uns mit ihm über die Liebe, Graz und Chemie unterhalten.
salo musiker graz

Du bist von Wien nach Graz gezogen. Was hat dich dazu bewegt?
Ich komme ursprünglich aus Leibnitz, in der Nähe von Graz und habe einige Jahre in Graz gelebt. In Graz hab ich meine emotionale Base, viele meiner Freunde leben hier, mit einigen mache ich schon seit meiner Jugend Musik. Mit einem meiner ältesten und besten Freunde, Mathias Garmusch, produziere ich auch gemeinsam meine Lieder. Mathias hat einfach schon immer genau verstanden, worauf ich musikalisch hinaus will. Es ist ein bisschen so, als ob man mit seinem Lieblingsmusiker Musik macht. Good life. Hail Lord Skrzat.

Was inspiriert dich?
Neben Literatur (Lieblingsbuch: Bonjour Tristesse von Françoise Sagan) und Filmen (Lieblingsfilm: Pierrot le Fou von Jean-Luc Godard) ist meine Hauptinspiration immer noch die Liebe, in all ihren Formen und Mutationen. Ich verarbeite in meinen Liedern, was ich erlebt oder vielleicht noch nicht erlebt habe, oder einfach, was mir so durch den Kopf geht. Im Grunde widme ich mich momentan ganz allgemein den Problemen, die im Zwischenmenschlichen so auftreten. Bei manchen Leuten scheint das einen Nerv zu treffen. Das finde ich sehr schön.

Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?
Auf jeden Fall im Punk. Ich bin aufgewachsen mit Bands wie Antimaniax, Leftöver Crack und Refused. Das hat mich sehr geprägt und ist wahrscheinlich auch ausschlaggebend dafür, dass ich heute so klinge, wie ich klinge.

Auf jeden Fall im Punk. Ich bin aufgewachsen mit Bands wie Antimaniax, Leftöver Crack und Refused.

Was war die letzte Band, die dich richtig vom Hocker gehauen hat?
Pisse. Meine Lieblingslieder sind »Nervenheilanstalt« und »Antwort als Fax« auf der Platte »Mit Schinken in die Menopause.« Heißer Scheiß, unbedingt reinhören.

In deinen Liedern spielst du mit religiösen Themen, machst die Liebe zu etwas Sakralem. Bist du religiös?
Wenn man darüber nachdenkt, ist die Liebe einer Religion gar nicht so unähnlich. Man opfert sich, verzichtet, erlebt Momente der Ekstase und der Qualen. Sex mit Liebe (Liebe machen) ist für mich persönlich die Definition eines mystischen Erlebnisses.

Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?
Ich glaube an die Chemie zwischen zwei Menschen. Am Ende des Tages sind wir doch nur ein Stück Natur auf der Suche nach Fleisch. Man schmeckt, wenn es Liebe ist. Mein guter Freund und noch besserer Autor Aleksandar Vadim spricht mir in seiner Kurzgeschichte »Sommer oder was es bedeutet, die Achsel einer Frau zu küssen« aus der Seele: »wenn man verloren ist, ohne Trinkwasser und Fleisch, dann kann man von der Achsel einer Frau leben, viele Tage und vielleicht so lange, bis Hilfe kommt.«

Ist Musik dein Plan A oder Plan B? Was machst du sonst so?
Zu 100% mein Plan A. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich 30 bin, will ich keinen Scheiß mehr machen, auf den ich keine Lust habe. Zurzeit habe ich Lust auf Musik. Für diesen Traum verzichte ich auch gerne auf das große Geld und anderen Bullshit, den ich nicht brauche.

Wo würdest du lieber spielen: Stadion oder Beisl?
Ich liebe enge Floorshows, wo man seinem Publikum hautnah gegenüber steht. Das hat einen gewissen intimen Charme.

Mit wem würdest du gern ein Duett singen?
Mit Michel Houellebecq.

SALÒ