Klagenfurt Kultur
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Digitales Zeitalter. Karen Irmer

Die Foto- und Videokünstlerin Karen Irmer ist von Mai bis September zu Gast im Atelier des Europahauses Klagenfurt am Wörthersee. Der Aufenthalt findet im Rahmen des Stipendiums für Foto- und Medienkunst des Landes Kärnten statt. Die abschließende Ausstellung eröffnet am 14.09.2021 und geht bis zum 07.11.2021. Sie findet im Living Studio der Städtischen Galerie Klagenfurt statt.
Portrait von Karen Irmer vor eigener Fotografie
Portrait von Karen Irmer vor eigener Fotografie

Karen Irmer sieht sich selbst als Zen-Meisterin des digitalen Zeitalters, indem sie neue Technologien nutzt, um sich ihren Sujets auf meditative Weise zu nähern. Sie verwischt die Grenzen zwischen Fotografie und Videokunst und transformiert schon durch die Wahl des Blickwinkels ihre Aufnahmen in neue, andersartige und extrem atmosphärische Welten. Auf der Suche nach Bild- und Filmmaterial begibt sich die Künstlerin oftmals in karge oder raue Gegenden oder Landschaften die vom Element Wasser eine starke Prägung erhalten haben. Ihre sorgfältige, langsame, meditative Annäherung an die Natur zeigt sich schon in der Anreise – Irmer fährt stets mit Bahn und Schiff, vermeidet die schnelle und umweltbelastende Fortbewegung per Flugzeug. Karen Irmers Entdeckung der Langsamkeit geht auf eine schwere Asthma-Erkrankung in ihrer Jugend zurück. Müde und abgeschlagen beobachtete sie die kleinsten Veränderungen in ihrer Umwelt und erkannte die Schönheit, die im Detail liegt.

"Zustand der Veränderung" von Karen Irmer
„Zustand der Veränderung“ von Karen Irmer

Die Erkundung unbekannten Terrains und das damit einhergehende Erspüren der dortigen Atmosphäre ist Grundlage Irmers Arbeit. Deshalb steht am Anfang jeder Arbeit eine intensive Auseinandersetzung mit der Umgebung an. Diese ergründet die Künstlerin wandernd, zuweilen still an einem Ort verharrend. Die langsame Art des Seins im Raum ermöglicht ihr intensiv wahrzunehmen und feinste Veränderungen der Stimmung aufzuspüren.  Die Umgebung rund um den Wörthersee und die nahegelegenen Gebirge bieten diese Möglichkeit der Naturversenkung in hohem Maße an.

Um eine tiefe und reine Sinneserfahrung zu ermöglichen, ist meine Arbeit radikal auf wenige subtile Reize beschränkt, auf die sich der Empfänger in einem geschlossenen Erlebnisraum konzentrieren kann, erklärt die Künstlerin ihren Ansatz.

Demzufolge beginnt Karen Irmer ihren Aufenthalt in Klagenfurt mit ausgedehnten Wanderungen in die angrenzenden Landschaften. Sie ist auf der Suche nach stillen und geeigneten Orten für die Erstellung von Film- und Fotoaufnahmen. Dabei nutzt sie auch eine 360-Grad-Kamera, die einen Rundblick in hoher Auflösung und in Zeitlupe aufzeichnen kann.

"Zustand der Veränderung" von Karen Irmer
„Zustand der Veränderung“ von Karen Irmer

Die aus Deutschland stammende Künstlerin reagiert damit auf eine reizüberflutete Welt, die viele Menschen überfordert und zu ständiger Reaktion herausfordert. „Alles wird immer schneller und lauter, so dass eine sensible Wahrnehmung der Welt immer schwieriger wird. Viele Menschen reagieren auf die ständige sensorische Überlastung mit einem Rückzug. Die Wahrnehmung läuft Gefahr, sich zu verflachen, und die Empfindungen werden schwächer.“

Die so erstellte Sammlung wird im Atelier im Europahaus gesichtet und zusammengestellt. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtgalerie Klagenfurt wird für das Living Studio eine neue künstlerische Arbeit entstehen, die die Grenzen von Bewegt- und Standbild, von zweidimensionalem zu dreidimensionalen Raum auslotet.

Karen Irmer – www.karen-irmer.de