
Aus ihrem Drang nach visionärer Fortführung und multidisziplinärer Erweiterung wuchsen Konzept und Areal in den Folgejahren zu einer Symbiose aus Museum und Künstlerstätte, Naturerlebnis und Kontemplation, Ort für Kunst und Architektur sowie für Ereignisse der Literatur, Philosophie und Musik.
Hombroich bedeutet Autonomie wie Bezogenheit von Künsten, Landschaften, Architekturen, Sammlungen, Archiven und assoziierten Institutionen. Hombroich versteht sich als Möglichkeitsraum für schöpferische Prozesse und Experimente und bietet Besuchenden die basale Erfahrung unmittelbarer Kunst- und Naturbegegnung. Neben dem Museum Insel Hombroich umfasst Hombroich die Areale Raketenstation und Kirkeby-Feld sowie die Ausstellungshäuser Langen Foundation, Skulpturenhalle Neuss, Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik und die Sammlungen Kahmen des Literatur- und Kunstinstituts Hombroich. Nicht zuletzt die unmittelbare Nachbarschaft der verschiedenen Akteur:innen macht den Ort einzigartig. Das gesamte Gelände umfasst eine Fläche von 64 Hektar mit über 40 Gebäuden.


Museum Insel Hombroich
Keimzelle Hombroichs ist das 1986 eröffnete Museum Insel Hombroich, das Karl-Heinrich Müller zur Präsentation seiner umfangreichen Sammlung von bildender Kunst und historischen Artefakten aus aller Welt realisierte. Das weltweit einzigartige Konzept wurde gemeinsam mit den Künstlern Gotthard Graubner (Sammlungsinstallation), Erwin Heerich (begehbare Skulpturen) und dem Landschaftsplaner Bernhard Korte (Landschaftspark) entwickelt. Schwerpunkte der Sammlung sind, neben fernöstlicher Kunst und einem archäologischen Fundus, Werke von Jean Fautrier, Lovis Corinth, Hans Arp, Kurt Schwitters, Alexander Calder, Yves Klein, Anatol Herzfeld, Erwin Heerich und Gotthard Graubner. Neben Heerichs begehbaren Skulpturen weist der weitläufige Landschaftspark einen großen Artenreichtum in Flora und Fauna auf. Um Kunst und Natur unmittelbar sinnlich erfahrbar zu machen, wird auf Beschilderungen und Bildlegenden sowie jegliche Didaktik verzichtet.

Raketenstation Hombroich
1994 erwarb Karl-Heinrich Müller eine dem Museum benachbarte ehemalige NATO-Raketenstation, um sie komplementär zum Museum Insel Hombroich als Labor und Experimentierfeld für Kunst und Architektur umzugestalten. Die Raketenstation war 1966 im Auftrag der amerikanischen Streitkräfte errichtet und nach den bilateralen Verträgen zur Abrüstung atomarer Mittel- und Kurzstreckenraketen 1990 als militärischer Standort wieder aufgegeben worden. An der neuen Ausrichtung und Bebauung beteiligten sich die Künstler und Architekten Raimund Abraham, Tadao Ando, Erwin Heerich, Dietmar Hofmann, Oliver Kruse, Katsuhito Nishikawa, Claudio Silvestrin und Álvaro Siza. Heute dient die Raketenstation Hombroich als Lebens- und Arbeitsort für Künstler:innen aller Disziplinen sowie für Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen. Sie liegt etwa 1,5 Kilometer vom Museum Insel Hombroich entfernt und kann täglich kostenfrei zu Fuß erkundet werden. Für Übernachtungen steht das Selbstverpfleger-Gästehaus Kloster zur Verfügung. Das Café Biemel bietet eine Auswahl an Speisen und Getränken mit Innen- und Außenbereich.

Langen Foundation
Als wichtige Partnerinstitution der Raketenstation Hombroich wird die direkt benachbarte Langen Foundation von der 2002 gegründeten privaten Stiftung der Kunstsammler Marianne und Viktor Langen betrieben. Der Bau wurde vom japanischen Pritzker-Preisträger Tadao Ando entworfen. Neben wechselnden Präsentationen aus den Sammlungsbeständen der Japan-Sammlung der Stifter werden hier Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst gezeigt. www.langenfoundation.de
Skulpturenhalle Neuss
Auch die markante Architektur der benachbarten, 2016 eröffneten Skulpturenhalle Neuss der Thomas Schütte Stiftung setzt ein weithin sichtbares Zeichen in der niederrheinischen Landschaft. Sie ist der bisher größte und ambitionierteste Bau nach einem Modell des Künstlers Thomas Schütte. Die Skulpturenhalle hat er nicht nur für seine Arbeiten allein, sondern für das Ausstellen von Skulpturen im Allgemeinen bestimmt. So zeigt Schütte hier Arbeiten internationaler Künstler:innen im Wechsel mit weniger bekannten eigenen Werken. www.thomas-schuette-stiftung.de

Kirkeby-Feld
Das zwischen dem Museum Insel Hombroich und der Raketenstation Hombroich situierte Areal umfasst fünf zwischen 2002 und 2009 errichtete Architekturskulpturen des dänischen Künstlers Per Kirkeby. Im Gebäudeensemble Drei Kapellen finden sich eine Präsentation zum Werk von Per Kirkeby in Hombroich sowie eine Fotoausstellung von Ursula Schulz-Dornburg mit einer Video-Installation von Nicolas Humbert und Werner Penzel über den Dichter Robert Lax. Das dritte Gebäude wird für wechselnde Projekte genutzt. Die Sammlung Kahmen des Literatur- und Kunstinstituts Hombroich wurde 2007 vom Sammler Volker Kahmen (1939–2017) mit einer Dauerausstellung eingerichtet. Zu sehen sind Werke von Bernd und Hilla Becher, Bussi Buhs, Ulrich Erben, Bruno Goller, Jochen Hiltmann, Katharina Hinsberg, Katie Holten, Markus Karstieß, Konrad Klapheck, René Magritte, Elisabeth Mühlen, Oskar Schlemmer, Susanne Schmidt, Martin Streit, Micha Ullman und anderen. Das fünfte Gebäude wird vom Clemens Sels Museum Neuss als Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgraphik betrieben. Sammlungspräsentation und Wechselausstellungen gewähren facettenreiche Einblicke in die gedruckte Grafik seit dem 19. Jahrhundert. www.clemens-sels-museum.de

Gesamtfläche Museum: 21 Hektar (reines Tageslichtmuseum)
Gesamtfläche Stiftungsgelände: 64 Hektar
Anzahl Gebäude Museum: 17
Anzahl Gebäude Stiftungsgelände: 44
Adresse und Kontakt:
Museum Insel Hombroich
Minkel 2, 41472 Neuss
www.inselhombroich.de
Die 1996 gegründete Stiftung Insel Hombroich wurde von Karl-Heinrich Müller gemeinsam mit der Stadt und dem Rhein-Kreis Neuss eingerichtet, um Ort und Idee Hombroichs zu bewahren und in die Zukunft zu führen. Sie verfügt über die oben genannten Areale jeweils eigenen Charakters mit Gebäudeensembles, die unterschiedliche Verhältnisse zum sie umgebenden Naturraum eingehen. Zu den Aufgaben der Stiftung zählen die Verwaltung, Aufarbeitung und öffentliche Zugänglichkeit der in ihrem Besitz befindlichen Sammlungen und Archive. Sie ist zudem Anwältin der Natur, die sie entsprechend des Gründungskonzepts pflegt und bewahrt. Geschäftsführer ist seit dem 1. Januar 2022 der Kunstwissenschaftler und vormalige Museumsdirektor Roland Nachtigäller. Der Vorstand besteht aus Prof. Oliver Kruse (Vorsitz), Dr. Christiane Zangs (stellv. Vorsitz), David Eich, Wolfram Kähler und Peter Landmann. Das Kuratorium der Stiftung steht unter dem Vorsitz der Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Brandes.