Vienna Art

Ein Spektrum an Gefühlen

Yeji Seoks Arbeiten verbinden visuelles Erzählen und 3D-Modellierung, um Gefühlszustände, Lebensphasen und Identitäten zu erforschen. Fragmentierte Existenzen verweben sich zu komplexen, persönlichen Narrativen.

Gibt es Themen, die immer wiederkehren?
Meine Arbeiten halten den Augenblick nach einem intensiven Gefühl fest, sehr direkt, Provokationen verpackt in einer Welt mit Anspielungen an meinen Alltag. Sie konfrontieren Betrachter:innen mit der Frage: „Was passiert hier gerade?“ Dabei geht es um Selbstreflexion, Introspektion und soziale Dynamiken; sie sollen anregen, Momente zu hinterfragen und sie genau wahrzunehmen.

Findet sich darin immer etwas Autobiografisches?
Ja, immer. Ausgangspunkt ist mein Alltag: Menschen, die mir nahestehen, Beziehungen, die mich prägen, Momente der Nähe oder Entfremdung. Dazu kommen Selbstporträts in unterschiedlichsten Facetten, die immer wieder in meinen Arbeiten auftauchen, und davon gibt es einige.

Welche Gefühle bewegen dich dabei?
Ein sehr komplexes Spektrum an persönlichen und intimen Momenten, die mich lange Zeit begleiten. Die Figuren entstehen aus diesen Gefühlen heraus; sie sind eine Verflechtung all dieser Empfindungen.

Yeji Seok
Yeji Seok

Deine Arbeiten haben auch etwas Verspieltes.
Das ist auch ein Teil von mir. Ich liebe Animationsfilme und übertrage eine Geschichte, fast wie einen Film, in meine Arbeit. Dabei spiele ich oft mit den Dimensionen und schaffe eine erzählerische Weise, die über das Offensichtliche hinausgeht.

Wie kamst du zur 3D-Modellierung? Wie sieht dein Arbeitsprozess aus?
Vor drei Jahren wollte ich Neues ausprobieren und entdeckte 3D-Tools für mich. Ursprünglich komme ich von der Malerei, die auch heute noch Teil meiner Praxis ist. Mein Alltag ist mittlerweile aber vielfältiger geworden. Ich arbeite oft an mehreren Dingen gleichzeitig: Modelliere digitale Welten am Computer, bereite Modelle für den 3D-Drucker vor, skizziere oder male auf Leinwänden. Aktuell beschäftigst du dich intensiv mit 3D-Druck.

Wie hat das deine visuelle Sprache verändert?
Mir geht es darum, etwas zu schaffen, das man anfassen und von allen Seiten betrachten kann. Mich interessiert, wie sich meine Gefühle auch als Objekte übersetzen lassen, wie es sich anfühlt, sobald sie eine echte, greifbare Form annehmen. Zurzeit drucke ich meine Arbeiten am liebsten in reinem Weiß, für mich die neutralste, am besten geeignete Fläche, auf der sich Gefühle in Form verwandeln können.

Yeji Seok – www.seokyeji.comm, www.instagram.com/seokyeji_/


Dieser Beitrag ist Teil der Sonderausgabe »FASHION«, die für die PARALLEL Vienna 2026 produziert wurde. Link zur Sonderausgabe