Vienna Art

Realität, Mythos und Erinnerung

Melanie Thöni wuchs in Tirol auf und lebt heute in Wien. Ihre Arbeiten spielen mit Farbe, Form sowie nordalpinen Motiven und Mythologien. Tradition, Heimat, Alltag und weibliche Held:innen sind zentrale Themen ihrer Praxis.

Wie verschmelzen in deinen Arbeiten Erinnerung und Fiktion?
Erinnerungen sind emotional; sie sind oft näher am Mythos als an der Wirklichkeit. Die fiktiven Elemente erlauben es mir, diese persönlichen Erfahrungen zu erweitern und neu zu interpretieren. Figuren aus der alpinen Mythologie, Sagenmotive oder digitale Bildwelten schaffen Räume, in denen andere Formen von Gemeinschaft, Weiblichkeit und Zugehörigkeit denkbar werden. So werden bestehende Bilder von Heimat, Tradition und Identität nicht einfach reproduziert, sondern neu gedacht.

Welche Erinnerungen finden sich wieder?
Vor allem Erinnerungen an meine Kindheit in der Tiroler Berglandschaft, an Erzählungen und Gespräche. Auch der Dialekt ist für mich mit starken Erinnerungen verbunden, die immer wieder auftauchen, vor allem bei Unterhaltungen mit meinen Großeltern.

Woher kommen deine Motive?
Aus Situationen und Beobachtungen im Alltag: aus Gesprächen, die ich selbst führe, und solchen, die ich zufällig aufschnappe, über Plakate, bis hin zu Bildern. Die Umgebung dient dabei als Quelle der Inspiration und Interpretation.

Melanie Thöni
Melanie Thöni

Lassen deine Arbeiten Raum für unterschiedliche Interpretationen?
Ja. Mich interessieren die Zwischenräume, zwischen Tradition und Moderne, Realität und Mythos sowie Erinnerung und Vorstellung. Auch meine Figuren bewegen sich zwischen Verletzlichkeit und Stärke. Diesen Raum lasse ich bewusst frei interpretierbar. Ich finde es spannend, weil jede:r einen anderen Zugang dazu hat.

Wie entstehen die Arbeiten?
Ich arbeite sehr klassisch, wie ich es in der Schule gelernt habe: Ich beginne mit einer Untermalung und entwickle das Bild anschließend durch viele transparente Schichten von Ölfarbe weiter.

Wie verstehst du den Begriff Heimat?
Für mich ist Heimat ein sehr offener Begriff: ein Ort des Übergangs, ein Raum, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart berühren, ein sicherer Ort, an dem man Toleranz spürt und sich willkommen fühlt, ein Raum, zu dem man in Gedanken zurückkehren kann.

Melanie Thöni – www.melaniethoeni.com, www.instagram.com/mellithoeni/


Dieser Beitrag ist Teil der Sonderausgabe »FASHION«, die für die PARALLEL Vienna 2026 produziert wurde. Link zur Sonderausgabe