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Karl Karner. Kunst, die anzieht

Karl Karner studierte Bildhauerei bei Heimo Zobernig an der Akademie der bildenden Künste und lässt sich in keine Kategorie stecken. Er ist Kunstgießer, Performer, Maler und etabliert sich mittlerweile auch am Modemarkt.

Er dehnt die Grenzen zwischen bildender und darstellender Kunst immer mehr aus – bis sie verschwinden. 

Du beschäftigst dich mit Skulptur, Installation, Malerei, Performance und neuerdings mit Strümpfen. Wo liegt dein Hauptaugenmerk?
Mein Fokus variiert eigentlich ständig. Es befruchtet sich auch alles gegenseitig, jede Arbeit die andere. Verschiedene Arbeitsweisen verlangen verschiedene Zugänge. Der Arbeitsprozess in einer Gießerei mit schweren Materialien ist sehr körperbetont, Zeichnen hingegen geht leichter von der Hand. Ein Körper in der Performance verlangt wiederum eine ganz andere Handhabung als ein Objekt. Dazu kommen die unterschiedlichsten Materialien wie Aluminium, Bronze und jetzt auch Nylon.

Wie entsteht bei dir ein Kunstwerk?
Mein Zugang zur Kunst ist immer ein spielerischer. Skulpturen sind für mich wie Bausätze, sie werden je nach Tagesverfassung miteinander kombiniert und entstehen somit im Prozess. Auch meine Zeichnungen sind stark von Spontanität und Kindlichkeit geprägt. Sie fließen aus meiner Hand und verkörpern oft den inneren Geisteszustand. 

Seit circa einem Jahr gibt es nun KS positiv, dein Strumpfhosenlabel. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe die Tattookunst hinterfragt. Für mich ist sie ein bisschen schwerfällig. Da es eine lebenslange Entscheidung ist, wird meist ewig überlegt, bevor man sich für ein Motiv entscheidet. Bei KS positiv muss die Kunst nicht für immer auf der Haut bleiben. Das Leben ist von Veränderungen durchtränkt, als Mensch verändert man sich immer wieder und Mode kann diesen Umbruch viel leichter widerspiegeln. Dazu kam, dass ich beim Zeichnen nicht nur auf dem Papier oder auf der Wand bleiben wollte. Da ich auch Performances mache, will ich das Kunstwerk in Bewegung bringen und sehen, wie es von Menschen neu entdeckt und mit Kleidung kombiniert wird. Schlussendlich wird man dabei selbst zum Kunstobjekt.

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Welche Vorteile bringt dir das Leben und Arbeiten am Land?
Ich brauche viel Platz zum Arbeiten und den bietet mir das Land. Ich habe einen Ablauf gefunden, der es mir erlaubt, perfekt zu funktionieren. Gießerei, Schlosserei und Tischlerei sind in greifbarer Nähe. Das Arbeiten in bis zu fünf Meter hohen Hallen ermöglicht es mir, in ganz neuen Dimensionen zu denken. Die Räumlichkeiten und Maschinen, die mir hier zur Verfügung stehen, haben enormen Einfluss auf das schlussendlich gefertigte Kunstwerk. 

Wie entstehen deine Kollektionen? 
Meine Zeichnungen bilden die Basis für verschiedene Serien. Die Strumpfhosen werden dann händisch mittels Siebdruck in Wien produziert. Für jede Farbe, und wenn es nur ein einzelner Punkt ist, wird ein eigenes Sieb hergestellt. Die Herstellung ist deshalb sehr aufwendig. Durch Kooperationen mit Künstler*Innen entwickelt sich die Marke ständig weiter. 

www.kspositiv.com
Karl Karner