Vienna Performance

Performance. Axelmanns Fall

Die Akademie der bildenden Künste Wien bemüht sich seit 2023 mit der öffentlich zugänglichen Reihe honoris causa um die Aufarbeitung ihrer historischen Verantwortung und Verstrickungen in den Austrofaschismus und Nationalsozialismus. 2026 wird mit der Performance AXELMANNS FALL von Jan Machacek eine höchst persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Akademie gezeigt: Der Urgroßvater des Medienkünstlers Machacek war Alexander Popp – Rektor der Akademie von 1941 bis 1945. 
Jan Machacek in der Aula der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien
Jan Machacek in der Aula der Akademie der bildenden Künste

In der Aula der Akademie, dem Ort, wo sein Urgroßvater bei Festreden NS-Ideologie verbreitete, erschafft Machacek mit den Künstler:innen Sabine Marte und Oliver Stotz ein raumgreifendes audiovisuelles Archiv in Echtzeit aus historischen Berichten, persönlichen Nachforschungen und vergessenen Gegenerzählungen. 

Erzähl uns von der Performance Axelmanns Fall – worum geht es dabei, und wie kam es dazu, dass du dich mit diesem Thema beschäftigt hast?
Es ist eine Performance über den Architekten Alexander Popp. Er war in der Zeit des Nationalsozialismus Rektor der Akademie der bildenden Künste und auch am Bau zahlreicher Rüstungsbetriebe des Regimes beteiligt. Popp ist mein Urgroßvater und mich interessiert neben seiner Rolle in der NS-Zeit der Platz, den er im Gedächtnis meiner Familie hat. Die Erzählungen über ihn endeten immer vor 1938. Doch der Höhepunkt seiner Karriere kam danach. Diese Leerstellen der Erinnerung haben inzwischen Generationen überdauert und betreffen mich selbst. Ich habe an der Akademie studiert, ohne zu wissen, dass mein Urgroßvater während der NS-Zeit Rektor war.

Jan Machacek in der Aula der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien
Aula der Akademie der bildenden Künste

Wie wichtig war der Ort, an dem die Performance stattfindet? Alexander Popp war von 1941 bis 1945 Rektor der Akademie der Bildenden Künste – was bedeutete es, eine Performance in der Aula des Hauptgebäudes der Akademie am Schillerplatz zu zeigen?‚
Die Aula ist der zentrale Ort der Repräsentation der Akademie, eine prunkvolle Säulenhalle. Hier wurde der „Anschluss“ im März 1938, Hitlers Geburtstag und 1942 das 250. Jubiläum der Akademie gefeiert. Alexander Popp hat diese Feiern organisiert und auf ihnen neben NS-Größen wie Baldur von Schirach Reden gehalten. Ich will mit meiner Performance am selben Ort Korrekturen und Gegen-Erzählungen schaffen. Meinem Team und mir ist es dabei besonders wichtig, historische Fakten zu benennen, ohne NS-Klischees zu reproduzieren. 

Du hattest externe Unterstützung bei der Recherche – wie wichtig war die Zusammenarbeit für das gesamte Projekt?
Das ganze Projekt wäre ohne intensive Teamarbeit und Recherche nicht möglich gewesen. Heidi Schatzl, die mich inhaltlich berät, hat jahrelange Erfahrung mit der Erforschung der Architektur der NS-Zeit. Albena Zlatanova arbeitet beruflich für die Entschädigung von NS-Opfern. Sie hat mir unschätzbare Tipps bei der Archivsuche gegeben. Und es gab einen intensiven Austausch mit der Schriftstellerin Lina Morawetz. Sie hat auf Basis langer Recherchen literarische Texte zu verschütteten Biografien verfasst, die in der Performance zu hören sind. Mir ist es wichtig, die aufwendige und exakte Arbeit historischer Forschung zu zeigen. Die Performance ist auch eine Hommage an das Archiv und seine kulturelle und politische Bedeutung.

Jan Machacek in der Aula der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien

Das Stück ist eine audiovisuelle Performance, die gemeinsam mit den Musikern Sabine Marte und Oliver Stotz entstanden ist. Wie hat die Zusammenarbeit mit ihnen die Form des Stücks geprägt?
Ich kenne Sabine Marte und Oliver Stotz schon sehr lange und uns verbindet eine kontinuierliche künstlerische Zusammenarbeit. Dasselbe gilt übrigens auch für Gin Müller, der uns dramaturgisch berät. Ich habe Oliver und Sabine für den akustischen Score angefragt. Die beiden haben dann recht bald vorgeschlagen, live zu performen. Für mich hat das sofort Sinn gemacht und es ist mir offen gesagt auch angenehm angesichts der Größe des Raums und der Dimension des Themas gemeinsam zu performen. Die Akustik der Aula ist herausfordernd. Wir haben beschlossen, den Hall vor Ort bewusst zu nutzen und den Raum wie einen Resonanzkörper zum Klingen zu bringen. Oliver und Sabine werden auch kleine Choreografien und Aktionen performen. Wir entwickeln die Form und den Ablauf der Performance gemeinsam bei den Proben.

Jan Machacek in der Aula der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien

Was sollte das Publikum bei der Performance erwarten, und worauf lag dein Fokus?
Ich versuche für die Performance einen analogen und haptischen Zugang zu komplexen Themen zu finden. Die Spannungen zwischen Zeit- und Familiengeschichte sollen durch Text, Sound, Video und körperliche Aktionen greifbar werden. Ich selbst werde dem Publikum als Guide eines multimedialen Archivs verschiedene Stationen im Raum vorstellen. Da ist etwa ein Mikrofiche-Lesegerät, das extrem verkleinerte Archivbilder sichtbar macht. Der Bildschirm dieses Geräts wird auf eine große Leinwand projiziert. Auf einer anderen Station befindet sich ein Plattenspieler, auf dem die Tagebüchern von Margarete Popp, der Ehefrau des Architekten, zu hören sind. Sie nennt ihren Mann darin „Axelmann“. Dieser Kosename ist titelgebend für die Performance geworden. Auf einer weiteren Station steht eine Transportkiste. Darin befindet sich eine originale Portraitbüste von Alexander Popp. Die Geschichte dieses Bronzekopfs zeigt, wie Popps Ansehen noch Jahrzehnte nach seinem Tod hochgehalten wurde. Und sie veranschaulicht die Notwendigkeit für den Fall seines Denkmals.

Axelmanns Fall
Eine Performance zu Alexander Popp
Rektor der Akademie von 1941 – 1945

Premiere: Donnerstag, 19. November 2026 um 18 Uhr im Anschluss Publikumsgespräch

Eröffnung der Tagung honoris causa,
Freitag, 20. November 2026 um 19 Uhr – Performance
Samstag, 21. November 2026 um 19 Uhr – Performance im Anschluss Publikumsgespräch
Sonntag, 22. November 2026 um 19 Uhr – Performance

Ort: Aula der Akademie der bildenden Künste
Schillerplatz 3, 1010 Wien

Freier Eintritt

Medien, Text, Performance, Realisation: Jan Machacek
Musik, Performance, Realisation: Sabine Marte
Musik, Programmierung, Performance, Realisation: Oliver Stotz
Text: Lina Morawetz
Inhaltliche Beratung: Heidi Schatzl
Dramaturgische Beratung: Gin Müller
Licht, Technische Koordination: Bartek Kubiak
Recherche: Albena Zlatanova
Die Reproduktion: Sophie Pölzl
Kostüm Beratung : Hanna Hollmann
Outside Eye: Anat Stainberg

Eine Produktion von am apparat in Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste Wien. Mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7).

Jan Machacek – www.janmachacek.at


Jan Machacek ist Medien- und Performancekünstler. Nach dem Studium der Bildhauerei begann er seine Medienperformances in Musik-Clubs und Theatern zu zeigen. Seine Arbeiten bilden Schnittmengen aus Körper, Raum, Musik und Projektion. Kameras und Apparate senden Live-Bilder der Performer*innen und stellen Fragen zu Identität und medialer Manipulierbarkeit. Machacek hat seine Performances in Wien im brut, Tanzquartier und bei WUK performing arts gezeigt, international u.a. im Marstall (München) und Ex-Teresa (Mexico City). Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. bei der Diagonale Graz und dem International Prize for Performance Trento. Machacek hat mit vielen Künstler*innen aus unterschiedlichen Sparten gearbeitet und war für die Projektionen und die Szenografie von zahlreichen Performances, Tanz- und Theaterstücken verantwortlich.