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Julian Mullan. Die Natur. Teil 1

In der Nachfolge seiner letzten Serie „Die Stadt“ steht Julian Mullans aktuelle Arbeit „Die Natur“. Nicht mehr der urbane Raum rückt darin in den Fokus, sondern die gewissermaßen von menschlicher Hand unberührt gelassenen Wiesen, Wälder und Flüsse, die er bei Ausflügen mit seiner Kamera regelmäßig besucht.

An diesen Orten finde n sich Motive, die durch die Landschaftsmalerei und -fotografie so fest im kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass schon der Begriff „Natur“ satte Grüntöne, kräftige laubbewachsene Bäume, glasklare Flüsse und rosafarbene Abendhimmel evozieren mag.

Ausstellungsansicht.
Ausstellungsansicht. Julian Mullan. Die Natur. Teil 1

Mullan bewegt sich jedoch abseits dieser kanonisierten „Sehenswürdigkeiten“ und richtet den Blick auf betont nüchterne Details: Eine grünliche homogene Farbfläche wird nur durch das Auftauchen einer zarten Ranke im unteren Bildrand als Teil eines Gewässers lesbar, während drei verschiedene Abendhimmel an computergenerierte Farbgradienten erinnern. Lediglich die Präsenz einer Pflanze hie und da oder Kräuselungen auf dem Wasser enttarnen die wie abstrakte Gemälde wirkenden Kompositionen als Fotografien. Es sind unauffällige Sujets, die unserem Auge in der freien Natur wohl entgangen wären, die sich in Mullans ausschließlich hochformatigen Bildern aber zu neuer Blüte entfalten – so wirkt die kleine Ranke im Wasser plötzlich wie ein schwungvoll von Hand gezeichnetes Ornament und drei mager gewachsenen Bäume am Teichrand markieren verheißungsvoll den Ort eines unbekannten Geschehens.

Nicht ohne Grund wurden Mullans Aufnahmen mit der kurzen Gedichtform Haiku verglichen, denn sie entspringen einer konkreten Situation und weisen eine reduzierte, schnörkellose Form auf. Im japanischen Haiku wird die Aufmerksamkeit auf scheinbar belanglose Kleinigkeiten (meist in der Natur) gelegt.

Sotheby's Artist Quarterly JULIAN MULLAN
Ausstellungsansicht. Julian Mullan. Die Natur. Teil 1

Die Interpretation bleibt dabei bewusst offen und wird erst durch den individuellen Erfahrungshorizont von RezipientInnen vervollständigt. Oder wie Roland Barthes es ausdrückte: „So erinnert uns der Haiku an etwas, das uns noch nie geschehen ist.“

Julian Mullan. Die Natur. Teil 1
Dauer: 28. Jänner – 31. März 2021, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 – 17.00
Für Informationen bezüglich der Besichtigung kontaktieren Sie Sotheby’s Wien gerne unter: 01-5124772.

Adresse und Kontakt:
Sotheby’s Wien
Herrengasse 5 / 1. Stock, 1010 Wien
www.sothebys.com