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Der 1998 geborene Maler Dölberg spinnt Netze aus Beziehungen: zwischen Betrachtern und fiktiven Räumen und zwischen den Figuren in seinen Bildern. Wenn man sich Dölbergs Gemälde von 2019 und 2020 anschaut – eine Zeitspanne, in der nicht nur in der Welt einiges passiert ist, sondern auch in seiner Malerei, dann sieht man nämlich eine erstaunliche, schnelle Entwicklung. Von soft zu hart, vom Ornament zum Umriss und vom Farbverlauf zur Linie. Es gibt in der letzten Zeit die Unterstellung, Malerei würde sich im Umbruch befinden. Meistens geht die Gleichung dabei so: Es gibt das Internet, und es gibt Malerei, deshalb müsse sich die Malerei anpassen. Ob figurativ oder abstrakt, Kanten werden klarer, bunt und clean muss es sein, damit die Bilder auf Instagram funktionieren. Dieser Ästhetisierung verweigert sich Dölberg. Seine Bilder sind ohnehin viel zu detailliert, denn er benutzt Werkstoffe wie Kreide, Epoxydharz, und er malt über Monotypien. Diese materiellen Gegebenheiten gingen auf einen Handydisplay verloren. Dölberg behandelt die Einzigartigkeit von Personen, sagt er, aber seine Figuren haben seltsam starre Gesichter, wie jene japanischen Theatermasken, deren Leere es erlauben soll, sich in die Rollen hineinzuversetzen.

Ferdinand Dölberg Versuch zu Zweit_2019_190 x 130 cm_Oil and chalk on canvas
Ferdinand Dölberg, Versuch zu Zweit, 2019, 190 x 130 cm, oil and chalk on canvas

Mit den mal ausweichenden, mal durchdringenden Blicken geht ein seltsamer Effekt einher: Die Ausdruckslosigkeit und die emotionale Unbestimmtheit entfremden die Betrachtenden nur beim ersten Hinsehen, dann aber werden die Gesichter zu Leerstellen, die wir nur füllen müssen. Sie sind so offen, dass sie kein Geschlecht besitzen. Oder besser gesagt, sie haben das Potential, alle Geschlechter abzubilden. Der Maler nennt sie nicht-binär. Paradox also: Das große Thema Individualität — ein Problem der Malerei seit Jahrhunderten — geht der Maler an, indem seine Figuren eben nicht als Individuen dargestellt sind, sondern als Typen. Dölberg verhandelt nicht nur die Beziehung von Betrachtenden zum Bild, sondern auch Beziehungen von Menschen.

Wie Menschen miteinander umgehen, ist eine weitere Frage in seinen Bildern. Die Hand, die um eine Schulter greift, kann eine freundschaftliche Annäherung sein, eine Beruhigung. Aber eben auch eine Bedrohung, eine Einengung.

Irgendwann passierte aber noch etwas anderes in Dölbergs Bildern. Eine Lineatur wie auf alten Schultafeln drängt sich durch die Farbe nach vorne. Sie ist nur schwach zu sehen, genauso wie die Buchstaben zwischen den Linien. Ein B, in Schreibschrift ist da zu erahnen, zum Beispiel, und ein Q, als hätte jemand das Alphabet geübt, bevor der Künstler darüber gemalt hat. Die Linien tauchen immer wieder auf, als Zeichen eines Systems: Wiederholung im Raster, Alptraum der Moderne. Wer das A tausend Mal geschrieben hat, weiß wie es geht. Das verweist freilich auf die Wiederholung als künstlerisches Prinzip, das für die Arbeit des Malers notwendig ist, weil, wer lernen will, muss üben. Zugleich besteht immer die Gefahr der Standardisierung, der Normierung, wie sie in der Schule passiert, und irgendwann steht da: „Kreise haben keine Ecken“. Das Gegenbild dazu ist das anarchische Spiel, das Dölberg seinen Figuren mitgibt, und vielleicht auch die wilden Muster in den ihren Kostümen. „Das ist alles fiktiv“, sagt der Maler. Er finde es spannend, die Personen, die er malt in ein eigenes Umfeld zu setzen, sagt er. Die Räume sind eng. Manchmal ist es so eng, dass sich Dölbergs Charaktere überschneiden auf der Bühne der Leinwand und im Spiel der Beziehungen. Und als wäre die Einengung im fiktiven Raum nicht genug, überträgt der Künstler seine Fiktion in den Ausstellungsraum. Denn gelegentlich mauert er sich ein, in einen Raum, an dessen Außenwänden seine Gemälde hängen, oder er schließt sich in einer Holzkiste ein. Meistens für die Dauer der Ausstellungseröffnung und meistens so, dass die Leute ihn nicht sehen. Im Prinzip, so sagt Dölberg, könne man aber mit ihm kommunizieren, und das gleich auf zwei Kanälen: über die Bilder und mit dem Maler in der Kiste. In der Mitte das Subjekt: So könnte man Dölbergs Malerei auf eine Formel bringen, aber der Künstler lässt die Mitte leer. Und doch entwickelt er seine Themen aus sich heraus.

In ihrer Arbeit „Ich seh, ich seh etwas, was du nicht siehst“ nähert sich Natali Glišić an eine sinnesübergreifende Wahrnehmung an. Die Farbfotografien sind ein Ausschnitt einer größer angelegten Serie.

Julia Haugeneder diplomierte im Juni 2019 an der Akademie der bildenden Künste Wien 2019. Ihre Arbeiten sind eine Kombination aus Druckgrafiken vermischt mit Objekten aus Buchbinderleim.

FULL CIRCLE präsentiert als Teil des IV. Aktes Arbeiten von Florian Lang, Kathrin Isabell Rhomberg und Katrin Weidhofer. Diese treten in Kommunikation mit dem sich in stetiger Veränderung befindenden.

Sigrid Langrehr inszeniert in ihrer Kunst Versatzstücke ihrer Selbst. Ihr Körper tritt uns als performative Figur der Medienwelt in einer Videoinstallation entgegen oder wird mittels Fotografie zerlegt.

Kathrin Isabell Rhomberg lebt in Wien und Salzburg. Ihre Arbeiten befragen das Verhältnis von Künstlichkeit und Natürlichkeit im Zeitalter des Anthropozäns anhand des Motivs des Faltenwurfs.

Der HOCHsommer 2020 findet heuer mit 12 Kunstinitiativen und Kunstinstitutionen aus der Südoststeiermark und dem Südburgenland zum vierten Mal statt und steht unter dem Motto „About natural limits“.

Nina ist die Gründerin des Wiener Labels “studio terrible” und dem Magazin “terrible magazine”, welche sich beide der Nachhaltigkeit widmen. Eigentlich arbeite sie in einem komplett anderen Bereich.

Viele Arbeiten von Zoe Vitzthum bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Küche und Alltag: zerschnittene und zerbrochene Teller, in Gips gegossenes Wegwerfgeschirr, herausstaffierte Kuchenstücke.

Roland Reiters Installation „Twins“ zeigt zwei miteinander verschweißte, gold verspiegelte Lamborghini Sportwagenkarosserien im Schwebezustand. Der Blick auf das Innere des Objektes wird verwehrt.

Im groß angelegten Werkzyklus „Mischpoche,“ vereint der Künstler Andreas Mühe persönliche Geschichte, gesellschaftliche Verhältnisse sowie künstlerische Tradition zum Portrait einer Familie.

Tinas Skulpturen und Objekte bewohnen einen Kosmos voller bizarrer Pracht und Vergänglichkeit, grotesker Wesen und wunderlicher Natureindrücke, zwischen anziehend und unangenehm.

Das Merotop ist ein „Teil eines Ortes“ und bezeichnet in der Ökologie die kleinste Einheit eines Biotopes – beispielsweise ein Baumstamm –, die von einem Organismus bewohnt werden kann.

Maßnehmen, Dinge in Beziehung setzen und in der Vielfalt der vorgefundenen Welt scheinbar objektive und universale Parameter entdecken – diese Vorgänge treiben Roman Pfeffers Arbeiten voran.

Veronika Beringer studierte Malerei und Animationsfilm an der Universität für Angewandte Kunst (Prof. Judith Eisler). Veronikas Arbeiten fußen auf der Faszination, Teil eines großen komplexen Gefüges.

Roland Reiters Installation Twins zeigt zwei miteinander verschweißte, goldverspiegelte Lamborghini Sportwagenkarosserien im Schwebezustand. Der Blick wird auf den Betrachter zurückgeworfen.

Miriam Hamann ist bildende Künstlerin und lebt in Wien. Sie studierte Transdisziplinäre Kunst an der Universität für Angewandte Kunst, davor Kunst und kommunikative Praxis, u.a. bei Erwin Wurm.