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Während Palacz bisher für seine Arbeiten automatisch generierte Daten aus der Überwachung oder von digitalen Nutzeroberflächen verwendet, sammelt sein vorsätzlich präpariertes Paket nun erstmals selbst Daten, wenn es seine Reise von Wien nach Graz mittels versteckt eingebauter Kamera, Mikrophon, GPS-Tracker und Bewegungssensoren dokumentiert und Erkenntnisse eröffnet über jene Transiträume, die für die Empfänger*innen eigentlich im Verborgenen bleiben.

Julian Palacz HANDLE WITH CARE

Dabei wurde das Jahr 2020 definitiv mit einem Rekord beendet: Waren es vor zehn Jahren nur rund 50 Millionen Pakete, die die österreichische Post jährlich verteilte, so wurden vergangenes Jahr rund 165 Millionen Pakete transportiert, an Spitzentagen bis zu 1 Million pro Tag. Selbstverständlich verzeichnet auch die Konkurrenz rund um GLS, UPS, DPD und Co ähnlich steigende Volumina. Seit Jahren spiegelt die Branche damit den Trend zum Online-Shopping, der sich zuletzt aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie noch zusätzlich verstärkt hat. Blicke hinter die Kulissen der weltumspannenden Paketlogistik erhaschen wir nur, wenn es um unzufriedene Empfänger*innen und viel seltener um überforderte Zusteller*innen mit prekären Anstellungsverhältnissen geht.

Mit Julian Palacz und seinem sensiblen Paketprotagonisten sind wir nun selbstverständlich und spürbar mittendrin.

Unmittelbar und ungefiltert erleben wir nahezu menschenleere Hallen in der Größe von mehreren Fußballfeldern, die allein zur optimalen Prozessierung von Waren eingerichtet werden, erfahren endlose Fließbänder über unzählige Ebenen hinweg, Karton um Karton gleitet wie von Geisterhand choreografiert an uns vorbei. Irgendwo drängt es sich an den Engstellen aber zumeist wirkt der Ablauf perfekt koordiniert und absolut effektiv. Nach Bestimmungsort codiert, wird alles automatisch gescannt und auf den richtigen Weg geschickt.

„Sobald Individuen zusammenkommen, bringen sie Soziales hervor und erzeugen Orte“ schreibt der französische Soziologe Marc Augé. Aber es ist jener Gegensatz des von ihm geprägten Begriff des Nicht-Ortes, der einem bei Palaczs Bildern unweigerlich in den Sinn kommt: Logistikzentren funktionieren ohne jedwede Relation und Identität, beherrscht von „Einsamkeit und Ähnlichkeit“. Der Mensch übernimmt als buchstäblicher Handlanger nur noch die vieldiskutierte „letzte Meile“ und wird zum scheinbar unzuverlässigsten Glied der ansonsten vollmechanisierten Kette, das am Ende dem Missmut der Konsument*innen entgegenzutreten hat.

Neben den Daten, die das Paket ihm liefert, sind es auch gängige Symbole aus der Logistikbranche, die Julian Palacz als Parameter zu seiner Rauminstallation verwebt, in der die Grenzen des Alltäglichen und des Künstlerischen vorsätzlich verwischen. Die Prämisse „Handle with Care“ impliziert in diesem Zusammenhang jedenfalls eine Vorsicht, die als menschliche Tugend so nicht mehr gültig sein kann. Die beiden Hände, die das Paket zu seinem Schutz symbolisch umschließen, wurden längst ersetzt. Wir dirgieren ein mechanisch/digitales Warenballett. Oder haben uns längst ausgeliefert.

Julian Palacz *1983 in Leoben, studierte Digitale Kunst bei Peter Weibel und Virgil Widrich. In seinen Arbeiten widmet er sich einer poetischen Aufbereitung von Daten, die im Hintergrund unseres digitalen Alltags automatisch gesammelt und dabei nur selten unverschlüsselt sichtbar werden. Er lebt und arbeitet in Wien.

Ausstellung: Julian Palacz. Handle with Care
Soft Opening: Freitag 07.05. 2021 14-19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 08.05.2021 bis 05.06.2021

Adresse und Kontakt:
Forum Stadtpark
Stadtpark 1, 8010 Graz
www.forumstadtpark.at

Die Ausstellung widmet sich anhand von Malereien, Installation und Skulptur dieser Fragestellung. „Wir alle sind es mittlerweile gewohnt in Zeiten, in denen wir von systemrelevantem Verzicht sprechen.

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